Allgemein

Wie man sich das Leben auf dem Dorf vorstellt

Ein Leserbrief von Karin Voss aus Tralau


So erlebe ich es immer wieder und erzähl einfach mal einige Beispiele:
Neulich z.B. fuhr ich den Mühlenberg hoch Richtung Leezen und musste einigen entgegenkommenden Fahrzeugen ausweichen, wobei ich mehrmals etwas vom Weg abkam. Hinter der letzten Kurve ploppte am Armaturenbrett ein mir unbekanntes rotes Zeichen auf. Zum Glück hatte ich das Anleitungsbuch dabei und sah: Reifen kaputt. In dem Moment kam mir ein großer weißer Wagen entgegen, fuhr vorbei. Ich dachte: war das nicht Stephan Hein??? Ich stieg erstmal aus und beguckte alle Reifen – nix zu sehen. Plötzlich kam der weiße Wagen zurück und Stephan hielt an – er hatte im Rückspiegel mein Nummernschild erkannt und hatte gesehen, das ich ausstieg.
„Na, was ist los?“ In dem Moment kamen auch noch Karen und Heiko Teegen vorbei, hielten an und fragten. Stephan schlug dann vor, ich solle umkehren und hinter ihm herfahren – wenn ich stehenbleibe, schleppt er mich ab. Dann guckte er aber auch noch mal in das Buch, lachte, drückte einen Knopf… und das Zeichen war weg. Sowas könne passieren, wenn der Wagen ins Ruckeln kommt.
Alles war wieder in Ordnung. Abends musste ich mir vor lauter Aufregung/Begeisterung über das Erlebnis erstmal ein schönes Getränk gönnen.
Nächstes: im Sommer kam mein Nachbar Jürgen auf meine Terrasse und fragte, ob ich ihm mal einen Gefallen tun würde. Na, was denn? Ob er mal meine hoch ausgewucherte Hecke schneiden dürfe…
Und vor Kurzem, als sie wieder so hochgeschossen war und ich nachmittags nach Hause kam, traute ich meinen Augen nicht: die Hecke war wieder geschnitten! Natürlich war es wieder Jürgen!
Und nach dem Wintermarkt im letzten Jahr konnte ich meinen Golf nicht mehr mit der Fernbedienung aufschließen und auch den Ersatzschlüssel nicht finden. Da kam zufällig Marc Handschuhmacher mit den Hunden vorbei, nahm den Schlüssel einfach mit und brachte ihn mit neuer Batterie zurück. Ich war wieder einfach überwältigt von der spontanen Hilfsbereitschaft.
Peinlich: ich hatte den zweiten Schlüssel ein paar Tage in der Zündung stecken lassen – so war alles ausgelutscht sozusagen. Der andere Nachbar Torsten hat den Motor dann wieder aufgeladen!
Und Dieter kommt auch kurzfristig vorbei, wenn ich ein Problem melde…
Diese letzten Erlebnisse und natürlich noch viele viele andere bisher (zB gerade wurde mir eine Rose an die Tür gehängt und eine Flasche Wein gebracht als Dank für meine Äpfel…) sowie das Café Klönschnack und weitere Veranstaltungen des Dorfrocks, der Feuerwehr, des Sportvereins, der Gemeindevertretung… bestärken mich immer wieder, dass meine Entscheidung vor gut 10 Jahren total richtig war, hier wohnen zu bleiben, wo wir 1977 hingezogen waren.
Hoffentlich noch ne ganze Weile !!!